Zur Zeit (02.2026) wird in den Medien sowie auch in den Sozialen Medien dieses Thema sehr kontrovers Diskutiert.
Von „Es wird auch mal Zeit“ über „Die Jugend hat sowieso nur noch das Handy in der Hand“ bis zu „Totaler Quatsch“ und „Keiner kann mir vorschreiben was in meiner Wohnung passiert“.
Für mich ist es wie ein zweischneidiges Schwert.
Zum einen müssen Kinder und Jugendliche lernen, mit dem Medium umzugehen, zum anderen auch mit der Technik. Deshalb unterstütze ich gerne Eltern mit Kindern und Jugendlichen kostenfrei dabei, ihre Geräte einzustellen. (siehe hier Kinder und Ihr erstes Smartphone). Zum einen kann die Bundesregierung keine korrekte Altersverifikation erzwingen (z. B. Meta als amerikanisches Unternehmen unterliegt nicht den deutschen Gesetzen und schon gar nicht dem BDSG), zum anderen ist es relativ schwierig, dies „ordentlich“ zu überprüfen.
Sind wir mal ehrlich
Welches Kind nutzt heute kein WhatsApp? In der EU ist die Nutzung für Jugendliche unter 13 Jahren verboten. Zwischen 13 und 15 Jahren ist sie nur mit Zustimmung der Eltern erlaubt, und ab 16 Jahren darf WhatsApp ohne Einschränkungen genutzt werden (seit Februar 2024; zuvor war dies erst ab 16 Jahren möglich). Da dabei personenbezogene Daten verarbeitet werden, ist die Zustimmung der Eltern erforderlich.
Aber die meisten Eltern die ich kenne haben das Kind entsprechend älter gemacht um dem Kind die Nutzung zu ermöglichen.
Einige Schulen (also die Lehrer) nutzen gerne WhatsApp damit die Kinder miteinander Hausaufgaben besprechen oder sich helfen.
Diverse andere Social Media Seiten haben auch ein Mindestalter, darunter Facebook, Instagram und auch TikTok (um nur einige zu nennen), Teilweise mit Elterliche Zustimmung.
Aber wer kontrolliert das wirklich? Welche Eltern verbieten es ihrem Kind, wenn alle anderen Freunde es haben? Kann ja dann nicht so falsch sein.
Vorteile und Gefahren
Vorteile
Bei der Altersgerechten Nutzung hat Social Media einige Vorteile für Kinder und Jugendlichen:
Kinder können Freundschaften besonders dann stärken, wenn sie schüchtern sind oder weit entfernt wohnende Freunde haben. Wegen meines Stotterns besuchte ich in den ersten zwei Schuljahren eine Sprachheilschule. Damals gab es keine Möglichkeit, sich auch außerhalb der Schule kurz zu unterhalten oder bei Hausaufgaben zu helfen, da die Kinder aus verschiedenen Städten kamen. Zwar wurde ich manchmal zu Klassenkameraden gebracht oder diese zu mir, um gemeinsam zu spielen, aber ansonsten waren viele nach der Schule auf sich allein gestellt.
Im Gegensatz dazu ist mein Neffe fast vollständig schwerhörig und besuchte eine spezielle Schule für Schwerhörige von der 1. bis zur 10. Klasse. Zu seiner Zeit gab es bereits WhatsApp. Auch nach seiner Unterrichtszeit hielt er Kontakt zu seinen Schulkameraden und konnte sich mit ihnen per Videotelefonie „unterhalten“. Dieses Beispiel zeigt deutlich einen Vorteil in der Kontaktpflege.
Zur Kontaktpflege kommt das Gemeinschaftsgefühl.
Wenn es um Behinderungen geht, ziehen es viele Kinder und Jugendliche vor, unter Menschen zu sein, die sie verstehen. Das war auch bei mir so, als ich jünger war, denn Kinder können grausam zu anderen sein, die „anders“ sind. Mein Neffe konnte die Beziehungen in der Klasse vertiefen und das Gemeinschaftsgefühl stärken – sei es durch gemeinsames Lernen, Spielen oder einfach den Austausch unter Freunden.
Zudem wird die Selbstwirksamkeit gestärkt: Durch das Teilen von Bildern, Beiträgen oder Projekten erhalten sie Zustimmung von ihren „echten“ Freunden und spüren, dass ihre Stimme zählt. Ich hingegen war als Jugendlicher nur der Sonderling, der Nerd, der sich versteckte.
Was die Kinder Lernen können
Kinder haben heute Zugang zu Wissen, denn viele Plattformen bieten Lernvideos, zahlreiche Erklärformate und kreative Tutorials.
Sie entwickeln Medienkompetenz, lernen, wie digitale Kommunikation funktioniert, wie Informationen bewertet werden und wie man sich online richtig verhält.
Das Internet und die sozialen Medien sind ein Ort voller Kreativität – egal ob Fotos, Videos, Musik oder Zeichnungen, es ist ein kreativer Spielplatz.
Identitätsentwicklung
Selbstfindung: Kinder probieren Rollen aus, entdecken Interessen und vergleichen sich mit gleichaltrigen.
Feedbackkultur: Kinder erhalten Rückmeldung zu eigenen Projekten, wie Videos, Bilder oder Musik, was motivierend wirken kann.
Vorbilder: Positive Content Creator können inspirierend wirken (z.B. spätere Berufswahl in der IT, Wissenschaft, Pflege, Handwerk, etc.)
Soziale Teilhabe und Inklusion
Barrierearme Kommunikation: Für Kinder mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen kann Social Media ein essenzieller sozialer Raum sein.
Austausch über Themen, die im Alltag schwer sind: Jedes Kind hat Themen, welche es gerne mit Freunden bespricht, egal ob Mobbing, Krankheit oder gar Familiäre Belastungen.
Partizipation: Kinder und Jugendliche können an gesellschaftlichen Diskussionen teilnehmen und ihre Perspektiven einbringen (recht aktuell ist hier z.B. die Friday for Future Bewegung oder die Wehrpflicht Diskussion).
Gefahren
Kinder stoßen in den sozialen Medien auf viele Risiken, die ihre psychische Gesundheit, Sicherheit, Entwicklung und sozialen Beziehungen beeinflussen können. Besonders problematisch wird es, wenn sie zu jung allein im Netz unterwegs sind oder Plattformen nutzen, die nicht altersgerecht sind.
Psychische und emotionale Risiken
Es besteht die Möglichkeit, dass ein Kind mit nicht altersgerechten Inhalten wie Gewalt, Sexualität, Selbstverletzung oder extremistischen Themen in Kontakt kommt. Solche Inhalte können für Kinder überfordernd oder beängstigend sein.
Gestellte Bilder und Filter fördern unrealistische Schönheitsideale und können bestehende Selbstwertprobleme noch verschlimmern. Die eigene Unzufriedenheit mit dem Körper wird dadurch verstärkt, und Kinder oder Jugendliche geraten unter zusätzlichen Vergleichsdruck.
Ein bekanntes Problem ist die fast schon süchtige Nutzung von Geräten, sozialen Medien und des Internets im Allgemeinen. Viele Erwachsene haben den Eindruck, dass Kinder und Jugendliche zu viel Zeit vor Bildschirmen verbringen und ihre Umgebung nicht mehr so bewusst wahrnehmen wie frühere Generationen.
Soziale Gefahren
Viele ältere Generationen verstehen nicht (oder wollen es nicht verstehen), dass Social Media, Technik und das Internet ein großer Teil des Lebens sind. So wie früher (auch ich) in der Schule gemobbt wurde, findet das Mobbing heute oft im Internet statt und nennt sich Cybermobbing. Beleidigungen, Ausgrenzungen oder Bloßstellungen im Netz wirken oft stärker als im realen Leben. Während im echten Leben nur ein Teil der Menschen Beleidigungen mitbekommt, sind sie im Internet dauerhaft sichtbar und oft öffentlich. Dort können sogar fremde Personen ein Kind beleidigen, zum Beispiel in einem Spiel oder nach einem Posting. Früher fand Mobbing auf dem Schulhof oder in der Klasse statt und blieb meist dort.
Gruppendruck ist für Kinder und Jugendliche oft kaum zu widerstehen. Ob Likes sammeln, Trends folgen oder Challenges mitmachen – vieles scheint ein Muss zu sein. Es beginnt beim harmlosen Planking auf dem Boden und endet beim riskanten Planking auf Brückengeländern, Hochhäusern oder sogar beim Schlucken von Waschmaschinen-Pads. Was hat mir eine Jugendliche Person (17 Jahre!!) mal gesagt: „Stephan, Deo schmeckt komisch„. Ich frage mich, warum es ein Verbot bis 14 gibt, wenn sich doch eine 17-jährige Person im Rahmen einer Challenge Deo in den Mund sprüht.
Entwicklungsbezogene Risiken
Überforderung durch zu frühe Nutzung: Fachstellen betonen, dass Kinder unter 12 bis 14 Jahren viele Risiken noch nicht richtig einschätzen können. Die meisten halten daher 14 Jahre für ein angemessenes Mindestalter für die selbstständige Nutzung von Social Media. Aber selbst bei einer 17-jährigen Person gibt es immer noch den Einfluss von Gruppenzwang.
Häufige Unterbrechungen durch Benachrichtigungen oder Statusmeldungen und Ähnliches machen das Lernen schwer und bringen oft den Schlafrhythmus durcheinander.
Identitätsdruck: Kinder entwickeln noch ihr Selbstbild, und ständige Bewertungen sowie die Suche nach Likes von außen können diese Entwicklung verzerren (Vergleichsdruck).
Kommerzielle Risiken
Viele Spiele für Handy, Tablets oder in sozialen Medien sind mit aggressiver Werbung überflutet. Viele Kinder und Jugendliche erkennen diese Werbung nicht sofort als solche.
Viele Plattformen sammeln umfangreiche Daten ihrer Nutzer, was für Minderjährige besonders problematisch sein kann.
Ein Like hier, ein Like dort, ein bisschen zu lange bei einem Post verweilen – und schon wissen die Betreiber, wofür man sich interessiert, und zeigen entweder aggressive Werbung oder mehr von solchem Content.
In-App-Käufe: Viele Free2Play (F2P) Spiele bieten kleine In-Game-Käufe an: hier ein cooler Skin für 4,99€, dort etwas Baumaterial für 1,99€, und vielleicht eine Waffe für 9,99€. Ein Klick, und das Item gehört einem – so summieren sich schnell 100€ oder mehr auf der Rechnung des Account-Inhabers.
Ein Beispiel was wirklich 2026 passiert ist (zu In-App-Käufe):
Ein Kind spielte mit dem Gerät seines Vaters, auf dem eine Kreditkarte als Zahlungsmittel hinterlegt war, und tätigte In-App-Käufe im Wert von 33.700€. Der Vater forderte eine Rückzahlung vom App-Anbieter und zog vor Gericht. Das Landgericht Baden-Württemberg entschied jedoch, dass der Vater die Kosten selbst tragen muss. (siehe Urteil des Landgerichts Karlsruhe (Az. 2 O 64/23)).
Quellen zu In-App-Käufen und haftung des Erziehungsberechtigten
Urteil des Landgerichts Karlsruhe (Az. 2 O 64/23)
Bericht: Urteil: Vater haftet für 33.000 Euro App-Käufe seines Sohnes
Mein (persönliches) Fazit
Social Media und das Internet im Allgemeinen können eine wunderbare Sache sein – für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Kinder und Jugendliche finden dort Schultutorials, können jederzeit mit Freunden in Kontakt bleiben, sogar während des Corona-Lockdowns. Auf langen Autofahrten können sie ihre Serien schauen, Musik hören oder Spiele spielen. Von überall auf der Welt lässt sich der Kontakt zu Freunden halten, mit der Familie per Video telefonieren, Bestätigung erhalten, Technik erlernen und neue Interessen entdecken. Kinder mit Behinderungen haben eine barrierearme Möglichkeit zu kommunizieren, und alle können sich über Themen austauschen, die im Alltag schwierig sind – und noch vieles mehr.
Aber:
Im Internet können Kinder mit Gewalt, Sexualität und extremistischen Inhalten in Kontakt kommen, was zu Selbstwertproblemen führen und Sucht fördern kann. Es besteht die Gefahr von Cybermobbing, dem Kontakt zu fremden Menschen (wie in einer Werbung, in der eine Mutter ihr Kind einem Fremden in die Hand gibt und er sagt: „Komm, ich zeige dir einen Hasen“) und verstärktem Gruppendruck, etwas Dummes zu tun. Zudem kann es die kognitive Entwicklung stören, die Identitätsbildung des Kindes verzerren und Eltern in den Ruin treiben. (Erinnerung: Urteil des Landgerichts Karlsruhe (Az. 2 O 64/23)).
Ich selber denke, das Kinder lernen müssen mit dem Medium umzugehen, das Kinder im optimalen Fall das Medium Internet und Social Media gemeinsam mit den Eltern kennenlernen. Auch viele Erwachsene wissen nicht damit umgehen zu können, sonst währe sowas wie die In-App-Käufe von 33.700€ nicht passiert.
Stellt die Geräte der Kinder korrekt ein, auch wenn das Kind dann immer wieder sagt „Aber der darf das“, und passt auf das Kind auf.
Siehe Kinder und Ihr erstes Smartphone einstellen um herauszufinden wie man ein Android oder IOs Gerät Kindgerecht einstellt.
Quellen
Bundesinstitut für Bevölkerung: Digitale Mediennutzung von Kinder und Jugendlichen

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