Umgang mit körperlich eingeschränkten Menschen

Wenn ich mit meinem Rollstuhl unterwegs bin, stoße ich auf viele verschiedene Reaktionen. Dabei gibt es viel Positives, aber auch ein paar negative Situationen.

Am positivsten finde ich persönlich, wenn ich ganz „normal“ behandelt werde und man sich auch so mit mir unterhält. Mit „normal“ meine ich, dass man mit einem körperlich eingeschränkten Menschen genauso spricht wie mit einem gesunden Menschen – ohne mitleidige Blicke oder eine Art zu sprechen, als würde man mit einem Kind reden.

Ich hatte einmal eine negative Erfahrung, als ich mit meinem Berner Sennen Hund spazieren war. Eine Nachbarin kam mit ihrem Hund als Begleitung dazu. Mein Berner war noch jung und fiel einer älteren Dame auf, die sofort zu uns eilte, um über den Hund zu sprechen. Sie unterhielt sich hauptsächlich mit meiner Nachbarin und würdigte mich keines Blickes. Wenn sie mich ansprach, dann in einem Tonfall, wie man ihn oft bei Babys oder Kleinkindern verwendet. Da ich kein Blatt vor den Mund nehme, hielt ich ihr nach einer Weile – nachdem ich ihr die Chance gegeben hatte, sich normal mit mir normal zu unterhalten – den Spiegel vor und zeigte ihr mit schwarzem Humor, Sarkasmus und Ironie, wie sie mit mir redete. Daraufhin flüchtete sie ohne ein Tschüss zu sagen.

Positiv, und das ist in den meisten Fällen so, finde ich es, wenn man sich mit mir unterhält, als säße ich nicht im Rollstuhl. Das ist in meinem Wohnort eigentlich die Regel. Natürlich werde ich gefragt, was mein Zuggerät für den Rollstuhl ist, wie man es bekommt oder was es kostet. Das ist völlig in Ordnung, viele kennen solche Geräte ja nicht – ich würde auch fragen. Schön ist auch, wenn man erst fragt, ob ich Hilfe brauche, und nicht einfach loslegt zu schieben, auch wenn es nett gemeint ist. Vor kurzem hatte ich eine schöne Begegnung: An der Kasse stand ich mit meinem Rollstuhl, als ein kleines Mädchen (etwa 9 bis 11 Jahre alt) laut über die ganze Kasse „Gute Besserung“ rief und mich ansah. Ich bedankte mich natürlich. Ihrer Mutter war das wohl etwas peinlich, aber ich fand es nett, auch wenn keine Besserung in Sicht ist.

Ich habe tatsächlich die Tendenz zu sagen, dass Jüngere weniger Berührungsängste (so nenne ich es mal) haben als ältere Generationen. Egal, was man über Jüngere denkt (es gibt ja einige Kontroversen im Netz), der Großteil ist höflich und hilfsbereit. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich etwas von ganz oben aus dem Regal benötige, Platz an der Haltestelle benötige oder an einer Gruppe vorbeifahren möchte. Bei der älteren Generation (60+) habe ich manchmal den Eindruck, sie würden lieber mit einem Kind sprechen als mit einem Rollstuhlfahrer oder seien neidisch, weil ich auf dem Markt sitzen kann, während ich den Markt besuche. Aber auch hier hatte ich schon einige gute Unterhaltungen – es ist also nicht allgemein gemeint.

Mit körperlich eingeschränkten Menschen so zu sprechen wie mit Babys oder Kleinkindern ist nicht die feine Art. Ihnen eine Extrawurst zu geben, ist ebenfalls nicht angebracht.

Wie möchten körperlich eingeschränkte Menschen behandelt werden? Genau wie alle anderen auch. Wenn wir Hilfe brauchen, sagen wir es. Sprecht nicht mit uns wie mit Kindern, sondern verhaltet euch wie Kinder – die machen nämlich keinen Unterschied zwischen Rollstuhlfahrern und Läufern 😉.

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